Private Altersvorsorge für Berufseinsteiger

Wer soeben seine Ausbildung abgeschlossen, sein Studium beendet und somit den ersten Schritt in Richtung Berufsleben gegangen ist, denkt im Regelfall nicht an seine Altersversorgung. Viele Wünsche gilt es zu erfüllen, egal ob es das erste eigene Auto, eine eigene Wohnung oder die Reiselust ist.

Dabei haben gerade junge Sparer die besten Chancen auch mit geringen Mitteln über viele Jahre hinweg einen stattlichen Notgroschen zusammenzutragen. Grund hierfür: Der Zinseszinseffekt. Legt man beispielsweise über 35 Jahre jeden Monat nur 25 Euro zurück, könnte man sich bei durchschnittlich 5 % Rendite am Ende über immerhin 27.711 Euro freuen.

Doch Vorsorge bedeuted mehr, als einfach ein wenig Geld für schlechte Zeiten zurückzulegen. So gilt es gerade für Berufseinsteiger die wichtigsten Risiken und ihren wertvollsten Besitz, ihre Arbeitkraft, abzusichern. In Abhängigkeit vom gewählten Beruf und dem individuellen Gefahrenpotential, gehören eine Berufsunfähigkeitsversicherung und / oder eine Unfallversicherung zu den absoluten Vorsorge Basics. Diese Versicherung muss nicht teuer sein, verliert man jedoch in jungen Jahren durch einen Schicksalsschlag seine Arbeitskraft, ist sie jeden Cent wert. Auch eine Privathaftpflichtversicherung ist durchaus empfehlenswert, gerade dann wenn keine Rücklagen bestehen.

Ist diese essentielle Grundabsicherung gegeben, kann ein Berufseinsteiger an weitere Maßnahmen zur privaten Altersvorsorge denken. Gerade junge Sparer müssen eine größere Rentenlücke schließen, als das bei einem Mittvierziger der Fall ist. Rentenzahlungen ab 2040 werden nämlich steuerlich voll angerechnet, während Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung erst ab 2025 steuerlich voll geltend gemacht werden können.

Die erste Wahl ist, auch für Berufseinsteiger, die staatlich geförderte Altersvorsorge mit der Riester Rente. Dank staatlicher Förderung oder steuerlichen Vorteilen wird mit der Riester Rente der Vermögensaufbau erleichtert. Junge Sparer sollten in Bezug auf die Kapitalbildung jedoch einen großen Bogen um Versicherungen schlagen. Eine Police, so auch die Riester Rentenversicherung, kostet vor allem horrende Gebühren. Wenn man jung ist und das Rentenalter in weiter ferner liegt, ist der eigene Ruhestand kein unkalkulierbares Risiko, welches es durch eine Versicherung abzudecken gilt. Bei der privaten Altersvorsorge können Berufseinsteiger getrost auf hohe Versicherungsprämien, Abschlussgebühren und Verwaltungskosten verzichten.

Eine Riester Rente kann auch als reinrassiger Riester Fondssparplan oder als Riester Banksparplan abgeschlossen werden. Beide Entscheidungen sind schon aus Kostengründen die bessere Wahl, als eine Riester Rentenversicherung. Je jünger ein Anleger ist, desto höher sollte grundsätzlich sein Anteil an Aktien im Depot sein. Mit einem Riester Fondssparplan kann man mit begrenztem Risiko an den Kursentwicklungen der Finanzmärkte teil haben, die eingezahlten Beiträge werden zum Ende der Ansparphase garantiert (abzüglich der entstandenen Kosten). Die derzeitig besten Angebote am Markt, die DWS TopRente und die UniProfiRente, konnten seit 2002 konstant Renditen von mehr als 8 % pro Jahr erwirtschaften.

Logischerweise verfügen Berufseinsteiger oft nur über begrenzte finanzielle Mittel. Ein Riester Fondssparplan ist zwar grundsätzlich kostengünstig, in der Regel jedoch mit Depotführungsgebühren von 10-16 Euro pro Jahr verbunden. Kann also nur der Sockelbeitrag von 60 Euro pro Jahr einbezahlt werden, ergibt sich durch das Depotentgelt eine sehr nachteilige Kostenstruktur. In diesem Fall sollten Sparer zunächst auf einen Riester Banksparplan ausweichen. Dieser ist in der Regel ohne Abschlussgebühren und Verwaltungskosten zu haben. Hier kann zunächst Kapital angesammelt und später normalerweise problemlos und kostenfrei zu einem Riester Fondssparplan gewechselt werden. Zur langfristigen Altersvorsoge, von mehr als 20 Jahren, eignet sich der Riester Banksparplan aufgrund der geringen festverzinslichen Renditen eher nicht. Weitere Gründe für den Abschluss einer Riester Rente, sind die Hartz 4 - und Pfändungssicherheit in der Ansparphase.

Sind die Möglichkeiten der staatlich geförderten Altersvorsorge ausgeschöpft und stehen immernoch freie Mittel zur Verfügung, kann man über den Aufbau einer rein privaten Altersvorsorge nachdenken. Hier eignen sich herkömmliche Banksparpläne oder Fondssparpläne. Bevor man jedoch Investitionen in die schwankungsstarken Finanzmärkte unternimmt, sollte man sein Einkommen absichern. Im Regelfall spricht man von Rücklagen in Höhe von 6 Monatsgehältern, die es zu bilden gilt. Diese Summe sollte als sichere und jederzeit verfügbare Geldanlage zurückgelegt werden, beispielsweise auf einem Sparbuch, besser noch auf einem Tagesgeldkonto. Mit dieser Rücklage lässt sich auch eine kurzfristige Arbeitlosigkeit, die ein oder andere Krise oder unvorhergesehene Ausgaben deutlich gelassener angehen.

Hat der Berufseinsteiger auch diese Hürde geschafft, sollte man ihm ohnehin einen großen Respekt zollen. Er ist der Mentalität des Ausgebens ohne zu Haben entkommen und kann seine finanzielle Angelegenheiten von nun an etwas gelassener betrachten. Jedoch keinen Übermut - Zockerpapiere, Optionen oder andere Spielerreien können interessant sein, wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist. Für eine ernsthafte private Altersvorsorge sind solche Experimente jedoch ungeeignet.

Geschrieben von Torsten Breitag (torstenb) Der Beitrag hat keine Tags.

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